Der GAIZ in Wanderschuhen

Der Wecker bricht die heisse Luft der Nacht, es ist schon Zeit zu gehen. Rucksack, Stöcke und Schuhe zusammenpacken, schnell einen Kaffee trinken und weg. Es dauert eineinhalb Stunden bis nach Wasserauen. Von dort startet der dritte Wanderausflug des GAIZ.

Unterwegs noch eine Freundin abholen und dann ab auf die Autobahn, die Stadt lassen wir hinter uns. Ein paar Songs und die Wetternachrichten aus dem Radio begleiten uns, während die morgendliche Sommersonne unser noch verschlafenes Gesicht wärmt. Am Horizont beginnen die höchsten Bergspitzen ein uns wohl bekanntes Profil zu zeichnen. Schon von weitem erkennen wir den Säntis, der sich mit seiner Antenne deutlich von all den anderen Gipfeln unterscheidet. Und schon ziehen wir die Wanderschuhe an, packen die Rucksäcke auf die Schulter und schliessen das Auto auf dem Parkplatz ab.

Das Handy hat den ganzen Morgen geklingelt, viele sind bereits angekommen, aber wir warten noch auf zwei Personen, so dass uns noch Zeit für einen weiteren Kaffee bleibt. Jetzt alle in eine Reihe, Tickets für die Gondel lösen, die uns nach Ebenalp bringen wird. Nach einer kurzen Diskussion (ein Ticket fehlte immer…) ab in die Kabine, die wir dieses Jahr fast alleine füllen. Eine gute Gruppe, 18 Personen, trotz des Fehlens einiger Treuen. Die Gondel schwingt sich hinauf. Der Fels unter uns zeigt seine ganze Kraft und eine einzigartige Landschaft mit all ihren Farben füllt unsere Augen, während uns die Bergstation schon ihre Türen öffnet.

Wenn wir uns umdrehen, erkennen wir den Bodensee mit seinen riesigen Wassermassen. Die Sicht ist klar, so dass wir ein wirklich aussergewöhnliches Panorama bewundern können. Der Säntis beobachtet uns aus der Ferne in all seiner Anmut, still, ohne ein Wort zu sagen.

Nach einem kurzen Rundgang auf der Ebenalp laufen wir Richtung Wildkirchli, ein Ort, in seiner Art einzigartig, ein Ort, an den man immer wieder gerne zurückkehrt. Es ist beeindruckend zu sehen, wie wenig der Mensch hier gewirkt hat und wie viel die Natur geschaffen hat und wo ein Einsiedler einige Jahre gelebt hat. Nachdem wir durch eine Höhle auf die andere Seite des Berges gelangt sind, kehren wir auf unseren Pfad zurück. Hier begegnen wir einem typischen kleinen Haus, das als Museum dient und uns das Skelett eines Bären zeigt. Eine Kapelle in einer natürlichen Höhle dient als Beweis: Es müssen Menschen christlichen Glaubens da gewesen sein.

Die fremde Umgebung bewundernd und nach einem kurzen Intermezzo mit ein paar Ferkeln, betreten wir den Wald. Das Tal zeigt sich in verschiedenen Formen, während der Säntis weiter Verstecken spielt. Der Abstieg ist mühsam und anstrengend und nach einigen Ausrutschern erscheinen endlich der Seealpsee in all seiner Klarheit und der Säntis majestätisch vor uns. Die erstbeste Feuerstelle zeigt eine Gruppe von 18 Personen in einem immer wiederkehrenden Ritual: Salami, Bratwurst, Cer-velat, Brot, Käse, Wein… Es scheint eine Expedition zum K2, wo Bergsteiger einen Hungerast zu stillen versuchen.

Die Zeit ist bei diesen Gelegenheiten immer ein Tyrann. So muss die Feuerstelle bereits gereinigt werden, das Wenige wo übrig geblieben ist, wird in die Rucksäcke gepackt und weg… Aber nein! Der GAIZ kann nicht nach Hause, ohne zuerst ein Lied gesungen zu haben, welches, wenn auch immer das gleiche, dennoch das schönste ist. So sammelt Piero, Antonio, Andrea, Hans und Luigi um sich um gemeinsam das Lied der Alpini zu singen.

Die Leute scheinen überrascht zu sein, es ist unüblich solche Lieder in den Bergen zu hören, wir haben aber den Eindruck sie schätzen unseren “Chor”, so dass mir die Inspiration kommt zu einem zweiten Lied, das ich so sehr liebe, mit Piero zu singen. Und so erklingt, trotz ein paar falscher Noten, auch “O Sole mio“ aus unseren Kehlen.

Wie viele km wir zurückgelegt haben, weiss ich nicht aber sicher nicht viele. Höhenmeter waren es viele (mehr als 750 m) bequem mit der Seilbahn hinauf, nur den Abstieg zu Fuss. Die Hälfte bis zum Seealpsee ist schon hinter uns, jetzt fehlt der Rest, mit den leeren Rucksäcken, gewiss, aber mit einem vollen Magen, was schlimmer ist.

Der Säntis ist schon eine Weile hinter uns, seine Grösse bleibt in Erinnerung, wie er über das Tal, sich in dem See spiegelt. Dieses Szenario gibt mir die Kraft für eine weitere Arbeitswoche. Isabella, Lilly, Nadia und Silvana nehmen die letzten Anstreng-ungen des Tages in Angriff. Ihre Gesichter sind verschwitzt und die Stimmen werden immer müder und leiser. Kaum aus der natürlichen Umgebung von Bäumen, Wegen, Bächen, Vogelgesang, herausgekommen, einer Umgebung die uns vor der Zivilisation schützte, lassen sie grosse Seufzer der Erleichterung hören. Die Autos unter uns nehmen Formen an. Wir sind angekommen.

Der Himmel, blau und klar, gibt uns ein letztes Szenario: Viele Gleitschirmflieger in der Luft tanzen im Wind und zeichnen abstrakte Formen bis zur Landung am Boden. Ein Eis, ein kaltes Getränk, nur um den Beinen im Sitzen etwas Ruhe zu gönnen - seltsame Form? Nein! Natürliche Form nach einer langen Wanderung. Aber im Angebot gab es noch eine Erfrischung von mir und Renata offeriert, so dass, wer Lust hatte, die Füsse in einem kleinen Bach baden konnte. Wo das Wasser her kommt weiss ich nicht, vielleicht vom Säntis, die mutigsten (einschlies-slich Isabella) haben ihre Füsse in kühlem Wasser gebadet und auf natürliche Weise, die Müdigkeit vom Ausflug wegspülen lassen.

Ein herzlicher Dank an alle Teilnehmer, vor allem den Frauen, die hoffentlich nächstes Jahr wieder dabei sind, wenn das Wetter mitmacht. Es war ein wunderbarer Tag, anstrengend, aber schön, mit Bildern und Erinnerungen die im Herzen bleiben, das heisst: Appenzell einzigartig.

Antonio und Renata